Mudun allah almuqadasa

HEILIGE STAEDTE ALLAHS

Gruen, weiss und blau raschelndes wirbelt ueber einem Haufen Sand. Staub und Abgase fliegen umher. Auf dem Gehsteig stehen angeleinte Schafe vor Fleischerlaeden, daneben wartende Maenner hinter leuchtenden Orangenpyramieden auf fahrbaren Wagen. Ueber die Fahrbahn treiben dick gefuellte Tueten und ein scharfer Ostwind zerrt an allem, was der Muell auf dem Brachland zu bieten hat.

Durch eine Haeuserzeile ist die ausserhalb der Stadtmauer liegende Grabanlage des Zam al Balawi mit ihren leuchtenden Kuppeln zu sehen. Die noerdliche zeigt eine andalusische Art mit Turmaufsatz, die andere eine gleichmaessige Faecherung mit kroenender Spitze. Der hier beigesetzte Lokalheilige Kairouans wird als verehrter Gefaehrte des Propheten Mohammed betrachtet. Diese sogenannten Sahaba sind die unmittelbaren Zeugen des islamischen Propheten. Ihre Berichte bilden die Grundlage der gesammelten Ueberlieferungen, die in den mehrere Baende fuellenden Hadithe zu finden sind.

Mekke, Medina und Jerusalem gelten uneingeschraenkt als die heiligen Staedte des Islam. Die vierte Stelle traegt die Gunst der Variablen. Und so wundert es nicht, dass die Kairouaner ihre Stadt an diesem Platz sehen.

Sowohl in den Gelehrtenbiographien als auch in Reiseberichten andalusischen Ursprungs steht der islamisch gepraegte Charakter Kairouans im Vordergrund. Sie ist Zentrum arabischer Kultur und Ziel Reisender auf ihrem Pilgerweg nach Mekka. Unter wechselnder Herrschaft von Aghlabiden, Fatimiden und Zividen zeigt sich ein Bild von Bluete, Krieg und Fehden. Erst genannte schufen fuer die Zeit des Mittelalters beeindruckendes System der Wasserversorgung. Bewaesserungskanaele und kreisfoermige, auch zur Reinigung dienende, Zisternen, von denen die groesste einen Umfang von gut 400 Metern besitzt. In dieser Zeit wuchsen wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zu Mesopotanien, ins persische Reich und nach Hispania. Noch heute sind an einigen der ueber 30 Moscheen der Stadt Verknuepfungen zu andalusischen Sakralbauten erkennbar. Der zentrale Martbereich, nach Zuenften geordnet, aus ueberwoelbten und offenen Gassen bestehend, kann durch 16 Tore geschlossen werden.

Nach gut einer Stunde Fahrt sind die Auslaeufer des Djebel Baloutta Massiv zum greifen nah. Im Windschatten eines Rohbaues, mit Blick auf ein grosses Zementwerk, machen wir Mittag. Ueber die Strasse hin, zieht eine junge Frau ihren Rollkoffer den staubigen Platz vor dem Werktor entlang. Am Beginn des ersten Hochtales spannt sich der Vorhang einer Bergkette mit Oasengruen ueber das verlassen wirkende Grabmal eine Marabuth. Diese aus der Tradition des Sufismus, eines aus der islamische Mystik stammenden Heiligen, sind verehrte, ueberregionale Persoenlichkeiten. Ihre Grabstellen zeigen zumeist kalk geweisste Kuppelbauten, die sowohl Maennern als auch Frauen gewidmet sind. Waehrend der Blick die Landschaft sanft durch pfluegt, quitscht ein Mauertor im sonnigen Wind.

Gut zwanzig Kilometer vor Wesslatia steht an einer Bruecke, ueber einem trockenen Oasenzulauf, ein Denkmal fuer gefallene tunesische und algerische Soldaten. Sie standen in den Reihen der Alliierten und kaempften fuer die Freiheit ihrer Laender. 1943 standen sich diese und deutsch-italienische Truppen im Tunesienfeldzug gegenueber. Am Ende kapitulierten die Achsenmaechte mit ueber 250 000 Gefangenen nahe der Hauptstadt Tunis.

Am Abzweig nach Ain Jelloula leuchten die Kuppeln der bluehenden Mandelbaeume, stehen kleine Zypressen, kommen Eselskarren mit hoch gebundenem Schnitt von Olivenbaeumen vorbei. Noch wissen wir nichts von Einladungen, geschenktem suessem Kaffe und fast innigen Begegnungen. Vergaenglich und vielleicht unvergesslich.